Konditionierung im Human Design: 5 Arten, die dich prägen und wie du dich befreist
- Sandra Hoppenz

- 30. Aug. 2022
- 16 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Apr.

Hast du dich schon einmal gefragt, warum du Entscheidungen triffst, die sich im Nachhinein so überhaupt nicht wie deine eigenen anfühlen? Oder warum du in Situationen bleibst, die dir nicht guttun, oder warum du nach etwas suchst (einem Job, einem Partner, einem Lebensstil) und es sich trotzdem, wenn du es dann hast, nicht ganz richtig anfühlt? Die Antwort liegt höchstwahrscheinlich in deiner Konditionierung.
Inhaltsverzeichnis

Was ist Konditionierung im klassischen Sinne
Gemäss Wikipedia versteht man unter Konditionierung im Fachgebiet der Psychologie eine Form des Lernens durch wiederholte Koppelung von Reizen oder Aktionen an Reaktionen. Ein Reiz oder eine Aktion löst eine bestimmte Reaktion aus und durch Wiederholung des immer gleichen Reizes, kommt es dazu, dass du fast automatisch, ein bestimmtes Verhalten an den Tag legst. Einfach ausgedrückt, verstehe ich nach dieser Formulierung unter Konditionierung Folgendes: Konditionierung ist alles, was mir von aussen aufgedrückt wird, damit ich mich in einer bestimmten Art und Weise verhalte. „Aufgedrückt“ deshalb, weil ich auf einen äusseren Reiz reagiere und daraus lerne, ob meine Reaktion mir guttut oder ob sie mir schadet. Da ich mir nicht wehtun will, lerne ich, welche Art zu reagieren für mich besser ist. Und schon bin ich darauf konditioniert, denn ich gewöhne mich daran, genauso und nicht anders zu reagieren.
Ich muss da unweigerlich an die Unterschiede meiner Mittagspausenzeiten in meinen Angestelltenverhältnissen damals in Deutschland und in der Schweiz denken. Solange ich noch in Deutschland gearbeitet habe, ging die Belegschaft gegen 12.30 Uhr zu Tisch. In der Schweiz beginnt die Mittagspause eine ganze Stunde früher. Am Anfang fand ich das total befremdlich, weil ich noch gar keinen Hunger hatte. Doch nach und nach meldete mein Bauch pünktlich um 11.30 Uhr, dass es jetzt Zeit für Futter wäre, manchmal noch vor meinen Kolleginnen.
Konditionierung ist weder gut noch schlecht
Bevor wir weitergehen, möchte ich dir etwas sehr Wichtiges mitgeben: Etwas, das Human Design von anderen Ansätzen zur Selbstentwicklung unterscheidet, ist die Haltung, dass Konditionierung weder gut noch schlecht ist. Es gibt in der Mechanik des Lebens keine Moral. Wir leben in einer Welt, die von Ra Uru Hu, dem Begründer von Human Design, als Maja bezeichnet wird. Alles in dieser Welt trägt Konditionierung, weil wir ein Teil davon sind, wie das Leben auf dieser Ebene funktioniert. Konditionierung ist nicht das Problem. Das Problem entsteht erst dann, wenn du dich in deiner Konditionierung verlierst und aufhörst, du selbst zu sein.
Dein Design ist der Schüler. Was in deinem Leben offen ist, ist die Schule, die du in diesem Leben besuchst, was du lernen sollst, worüber du weise werden sollst. Nicht das, wovon du gefangen werden sollst. Ra Uru Hu
Dieser Perspektivwechsel ist entscheidend: Konditionierung ist nicht dein Feind. Sie ist ein Teil deiner Reise. Die Frage ist nur, ob du von ihr kontrolliert wirst oder ob du sie bewusst wahrnimmst.
Die Arten der Konditionierung nach Human Design
Wenn du zum ersten Mal von deinem Human Design und den dahinterliegenden Energien erfährst, kann es sein, dass du auf zwei sehr unterschiedliche Weisen darauf reagierst: Entweder du findest dich sofort in vielen Dingen wieder, fühlst dich gesehen und bist berührt von so viel Übereinstimmung in deinem bisherigen Leben. Oder du spürst eine tiefe Diskrepanz zu den Energien, die dein Human Design über dich aussagt, denn du fühlst dich ganz anders. Natürlich gibt es noch Abstufungen dazwischen, denn es kann auch sein, dass du zu vielen Punkten sofort Ja sagst und zu anderen Punkten andere Erfahrungen gemacht hast.
Das liegt vor allem daran, dass dein Human Design dir aufzeigt, wie du als Individuum für diese Welt der beste Beitrag sein kannst, unter der Prämisse, dass alle anderen ebenfalls nach ihrem Human Design leben. Jeder von uns ist also ein Puzzlestück für das grosse Ganze.
Wir Menschen werden jedoch sehr hilfebedürftig geboren und sind in den ersten Jahren wortwörtlich mit unserem Leben von unserem Umfeld abhängig. Deshalb betrachtet man im Human Design Konditionierung auf fünf Ebenen:
Konditionierung durch deine eigene Energie auf Basis der Aktivierungen in deinem Human Design Chart
Konditionierung durch die Energien der Menschen, mit denen du viel Zeit verbringst
Konditionierung durch die Energie deiner Ahnen
Konditionierung durch deine Genetik
Selbstkonditionierung: die gelernte Hilflosigkeit
1. Konditionierung durch deine eigene Energie auf Basis der Aktivierungen in deinem Human Design Chart
Je nachdem, wie zum Zeitpunkt deiner Geburt und ca. 3 Monate davor die Planeten und Himmelskörper am Firmament standen, werden in deinem Human Design Chart die Tore in den Zentren aktiviert und legen dadurch fest, welche Charakterzüge, Eigenschaften, Talente und Potenziale ganz natürlich zu dir gehören. Über alle aktivierten (definierten) Aspekte deines Charts wirst du zum Sender dieser energetischen Qualität, über die offenen (undefinierten) Aspekte bist du Empfänger.
Dein wahrer Kern, wenn du es so ausdrücken willst, wird quasi durch das Universum selbst konditioniert. Diese Art der Konditionierung ist die, die du - so gut es eben geht, jeden Tag ausleben sollst.
2. Konditionierung durch die Energien der Menschen, mit denen du viel Zeit verbringst
Während du im Mutterleib heranwächst, bist du über die Nabelschnur mit deiner Mutter verbunden. Alles, was sie isst, trinkt, tut, denkt und mit wem sie sich umgibt, hat bereits einen physischen und energetischen Einfluss auf dich. Als Baby und kleines Kind bist du am stärksten beeinflussbar, denn dein eigenes Bewusstsein ist noch nicht so stark ausgebildet. Deine ersten Glaubenssätze, wie: „Ich kann alles schaffen, was ich mir vorstelle!“ oder: „Was sollen denn die anderen denken?“ werden bis zu unserem siebten Lebensjahr geprägt.
Verbringst du viel Zeit mit den immer gleichen Menschen, wirst du deren definierte Aspekte auch in dir spüren und das Gefühl entwickeln, dass diese Aspekte zu dir gehören. Schau dir hierfür dein Human Design Chart an. Welche deiner Zentren sind weiss und damit offen für die Energien von aussen? Offene Zentren in deinem Chart sind nicht einfach leer. Sie sind Empfänger. Und als Empfänger tun sie etwas sehr Einzigartiges: Sie verstärken das, was sie aufnehmen, manchmal überdrehen sie und es kommt zur Verzerrung. Wenn jemand in deiner Nähe also ein definiertes Zentrum hat, das bei dir offen ist, nimmst du die Energie des definierten Zentrums deines Gegenübers nicht nur auf, du amplifizierst sie auch. Du kannst von diesem Gefühl so überwältigt werden, dass du vergisst, dass es gar nicht deins ist.
Drei Beispiele, wie sich diese Verzerrung konkret anfühlen kann
Offene Milz: An Dingen festhalten, die nicht gut für dich sind
Die Milz ist das älteste Bewusstseinszentrum im Human Design. Sie ist unser Instinkt, unsere Intuition, unser Immungefühl. Wenn dieses Zentrum in deinem Chart offen ist, bist du empfänglich für das Sicherheitsgefühl anderer Menschen. Bist du in der Nähe von jemandem mit definierter Milz, fühlst du dich plötzlich sicher, geborgen, gut aufgehoben. Du verstärkst dieses Gefühl bis zur Verzerrung und kannst darin gefangen werden, auch wenn die Situation oder der Mensch gar nicht gut für dich ist. Das erklärt, warum Menschen in schwierigen Beziehungen oder Jobs bleiben: Das sichere Gefühl, das sie spüren, ist nicht ihr eigenes.
Offenes Sakral-Zentrum: Nicht wissen, wann „genug“ genug ist
Das Sakral-Zentrum ist das grösste Energiezentrum im Human Design. Wer es offen hat, hat keine konstante Lebensenergiequelle und nimmt die Lebensenergie anderer auf und verstärkt sie. Das klingt zunächst positiv. Doch ohne die eigene Ahnung, wann „genug“ genug ist, führt das dazu, dass man sich überarbeitet, überfordert und ausgebrannt, weil man die Energie anderer für die eigene hält.
Offenes G-Zentrum: Auf der Suche nach Richtung und Identität
Das G-Zentrum ist das Zentrum für Identität, Richtung und Liebe. Wer es offen hat, empfängt und verstärkt die Richtungen und Identitäten anderer und hat oft das Gefühl, nie am richtigen Ort zu sein, nie den „richtigen“ Partner gefunden zu haben. Diese Menschen suchen oft ihr ganzes Leben nach etwas – nach einer festen Identität, einem Zuhause, einer Berufung –, ohne je das Gefühl zu haben, wirklich angekommen zu sein. Dabei ist das offene, undefinierte G-Zentrum eine Einladung zur Weisheit über Richtung und Liebe. Es hat nicht die Aufgabe, eine permanente Richtung zu sein.
Mit dem Beginn der Pubertät beginnt ganz automatisch der Abnabelungsprozess. Du verbringst mehr und mehr Zeit mit dir alleine und lernst andere Menschen kennen. Dadurch spürst du deine eigenen Energien deutlicher und lernst neue, auf andere Art definierte Aspekte kennen. Du lernst dich neu kennen und beginnst im Idealfall für dich herauszufinden, wer du sein willst.
Die Beschäftigung mit deinem Human Design und das Experimentieren damit, führt dich Schritt für Schritt weg von den Konditionierungen durch die anderen, zurück zu deinem wahren Kern.
3. Konditionierung durch die Energie der Familiendynamik
Das Human Design wird nicht vererbt. Doch in der Familiendynamik werden gewisse Muster vererbt. Je nachdem, in welchen Verhältnissen deine Grosseltern aufwuchsen und wie sich deren Leben gestaltete, verankerten sich Lebenseinstellungen und Gebräuche in der Erziehung deiner Eltern. Diese wiederum gaben weiter, was ihnen selbst beigebracht worden war, immer mit den besten Absichten und ohne zu wissen, wie es anders gehen könnte. „Bei meinen eigenen Kindern mache ich das aber anders“, hast du dich bestimmt selbst sagen hören. Und dann bist du doch in ein bestimmtes Muster deiner Eltern von früher verfallen.
Aus Sicht des Human Designs ist es sehr wertvoll, wenn Eltern die ihnen zugewiesene, fast schon übergeordnete Rolle nicht dafür nutzen, ihren Kindern beizubringen, „wie man in der Welt zu funktionieren hat“. Eltern sollten bereit sein, die Eigenart und Individualität ihrer Kinder zu fördern, von ihnen zu lernen und sie als gleichwertige Partner in der Familie zu akzeptieren.
4. Konditionierung durch deine Genetik
Haarfarbe, Augenfarbe, Nase und Körperbau sind Dinge, die du tatsächlich von deiner Herkunftsfamilie erbst. Auch eine Prädisposition für eine bestimmte Krankheit oder verschiedene Wesenszüge finden sich meist in deinen Ahnen wieder.
Selbst die Erlebnisse deiner Vorfahren sind in deiner DNA abgespeichert. In der Epigenetik hat man erforscht, welche Auswirkungen die Entbehrungen der Kinder während des Zweiten Weltkrieges auf sie selbst, deren Kinder und Kindeskinder hatten. Prof. Tessa Roseboom sagt in der ARD-Produktion Epigenetik: Was unsere Gene und die unserer Nachkommen steuert: „Kinder, deren Eltern dem Hunger ausgesetzt waren, waren deutlich weniger gesund und neigten auch zu Übergewicht, was sie anfälliger für chronische Krankheiten machte.“ Das Hungerleiden hatte die Art und Weise, wie Gene geschaltet sind, verändert und diese neue Information wurde an die nächsten Generationen weitergegeben.
Du bist, was du isst – was deine Mutter und sogar deine Grossmutter gegessen haben.
Das klingt alles ziemlich unwiederbringlich und für immer genauso gegeben. Doch da bin ich anderer Meinung. Selbst deine Gendisposition kannst du durch blosse Gedankenkraft verändern, wie es der Film „Heal“ eindrücklich zeigt.
5. Selbstkonditionierung: die erlernte Hilflosigkeit
Selbstkonditionierung entsteht durch dich selbst. Genauer gesagt: durch das, was du aus all den anderen Konditionierungen geschlussfolgert hast. Die Psychologie nennt es erlernte Hilflosigkeit. Der Begriff geht auf den Psychologen Martin Seligman zurück. Er beobachtete in den 1960er Jahren, dass Hunde, die wiederholt Situationen ausgesetzt wurden, in denen ihre Handlungen keinen Unterschied machten, irgendwann aufhörten, es wenigstens zu versuchen, wenngleich es plötzlich einen Ausweg gab. Sie hatten gelernt: Es bringt nichts, also bleibe ich passiv.
Beim Menschen sieht es so aus: Du hast als Kind immer wieder erlebt, dass dein „Nein“ nichts bewirkt hat, dass deine Gefühle nicht zählten und du dich anpassen musstest, um dazuzugehören. Dass die Systeme Familie, Schule und Beruf vorgaben, wie du zu funktionieren hattest. Du siehst es und willst es anders, doch dann kam der Punkt, an dem du aufgehört hast, zu widersprechen, weil du gelernt hast, dass es nichts bringt. Diese Überzeugung "Ich habe keinen Einfluss, ich kann eh nichts ändern, ich muss mich fügen." ist eine der tiefsten Konditionierungen, die ein Mensch haben kann. Denn sie betrifft nicht nur eine einzelne Situation. Sie verallgemeinert sich. Du beginnst, sie auf Bereiche deines Lebens zu übertragen, in denen du sehr wohl Einfluss hättest.
Im Human Design Kontext ist das kein Zufall: Wir haben über 400 Jahre im Kreuz der Planung gelebt, in einem Zeitalter, das Anpassung, Sicherheit und systemkonformes Verhalten belohnt hat. Die kollektive Botschaft war: Funktioniere innerhalb des Systems, dann bist du sicher. Das hat sich tief in unsere Köpfe eingebrannt. Auch in die Köpfe derer, die das System eigentlich nie mochten. Das Erschöpfende an der gelernten Hilflosigkeit ist, dass sie sich wie die Wahrheit anfühlt. So bin ich eben. Ich kann das nicht. Das ist nichts für mich. Das wird sowieso nicht funktionieren.
Deine Definition bestimmt, wie du konditioniert wirst
Nicht alle Menschen werden auf dieselbe Weise konditioniert. Human Design unterscheidet hier nach Definitionstypen, also danach, wie die aktivierten (definierten) Bereiche deines Charts miteinander verbunden sind: In deinem Human Design Chart gibt es Zentren, die eingefärbt (definiert) sind und solche, die weiss (offen) sind. Die Definition beschreibt, wie deine definierten Zentren untereinander verbunden sind. Genauer gesagt: Hängen sie alle in einem zusammenhängenden System zusammen oder gibt es einzelne „Inseln“?
Einfach-Definition bedeutet, dass alle deine definierten Zentren direkt miteinander verbunden sind. Es ist ein geschlossenes, konsistentes Energiesystem. Du bist in dir relativ stabil und brauchst andere nicht, um dich energetisch zu vervollständigen. Rund 41 % der Menschen haben diese Definition.
Gespaltene Definition (Split) bedeutet, dass deine definierten Zentren in zwei getrennte Gruppen aufgeteilt sind, die nicht direkt miteinander verbunden sind. Da ist eine „Lücke“. Du trägst also sozusagen zwei energetische „Inseln“ in dir. Rund 45–46 % der Menschen haben diese Definition. Das ist der häufigste Definitionstyp.
Dreifach-Gespaltene Definition (Triple Split) bedeutet, dass deine definierten Zentren in drei voneinander getrennte Gruppen aufgeteilt sind. Da sind zwei „Lücken“. Du trägst also drei energetische „Inseln“ in dir. Rund 11–13 % der Menschen haben diese Definition.
Vierfach-Gespaltene Definition (Quadruple Split) ist die seltenste Form der Definitionstypen. Du hast vier getrennte Energiegruppen. Da sind drei „Lücken“, also vier energetische „Inseln“ in dir. Nur etwa 1–2 % der Menschen tragen diese Definition.
Was du dir dazu merken kannst: Je mehr „Lücken“ du hast, desto vielfältiger bist du empfänglich für Konditionierung durch deine Umgebung und desto mehr Zeit brauchst du idealerweise, um Entscheidungen alleine zu treffen, damit du wirklich du selbst bist und nicht von den Energien anderer beeinflusst wirst.
Wenn dein Chart eine Einfach-Definition hat, bist du energetisch relativ unabhängig. Deine tiefste Konditionierung kommt durch deine offenen Zentren: Die Themen dieser Zentren werden zu deinen grössten Wunden und Wachstumsfeldern.
Hat dein Chart eine gespaltene Definition (Split, Triple, Quadruple), erzeugt das ein unbestimmbares Gefühl, dass etwas fehlt und man nicht ganz ist. Du suchst dein ganzes Leben nach der Verbindung, die dieses Gefühl schliesst. Bist du dann mit Menschen zusammen, die ein sogenanntes Brückentor mitbringen, kann die Lücke für den Moment des Zusammenseins geschlossen werden und du dich plötzlich vollständig fühlen. Das klingt wunderschön. Doch es ist auch eine Falle: Das Gefühl der Vollständigkeit kommt von aussen und nicht von innen. Und so suchst du immer wieder nach Beziehungen, Freundschaften oder Gruppen, die dieses Gefühl ausfüllen. Ra Uru Hu sagt, dass die Menschen mit gespaltenen Definitionen die gesamte Menschheit auf Paarbindung konditioniert haben, weil ihr Bedürfnis nach Verbindung so stark und so spürbar ist.
Wenn du eine gespaltene Definition hast, ist es nicht falsch, dass du Verbindung suchst. Aber es ist wichtig zu verstehen: Diese Energie kommt nicht von einem Mangel in dir. Sie ist, wie sie ist. Und das ist gut so. Im Human Design nennt man das „Mechanik“.
Du bist nicht deine Konditionierungen
Konditionierung ist also eine Vielzahl an gelernten Reaktionen und daraus entstandenen Gewohnheiten. Eine Gewohnheit ist eine Erwartung oder eine Überzeugung oder ein Gedanke oder eine Einstellung, welche(r) in meinem Unterbewusstsein abgespeichert ist. Dein Unterbewusstsein steuert dein gewohnheitsmässiges Handeln. Durch dieses Handeln entstehen deine Ergebnisse. Willst du nun andere Ergebnisse, musst du deine Erwartungen oder deine Überzeugungen oder deine Gedanken oder deine Einstellungen ändern, damit sich dein Handeln ändern kann. Leichter gesagt als getan!
Deine Gedanken, Einstellungen, Erwartungen und Überzeugungen wurden von Anfang an durch andere beeinflusst. Viele dieser Beeinflussungen haben in deinen ersten Lebensjahren dein „Überleben“ gesichert, manch andere das Leben deiner Eltern mit dir erleichtert und wieder andere sorgen dafür, dass du gesund bleibst. Ein simples Beispiel hierfür ist das zweimal-am-Tag-Zähne-putzen-Ding-inklusive-Zahnseide. Hat mir persönlich so manche Zeit beim Zahnarzt und Dentalhygieniker verkürzt.
Wenn dir nun aber dein Human Design Chart verrät, dass du vom Energietyp her Reflektor bist und dich vom Leben überraschen lassen sollst, du in keine Schublade passt und dich bitte auch von dir selbst nicht labeln lassen solltest? Was, wenn du als Reflektor so rein und natürlich essen solltest, wie es nur geht, dir aber nur Fertigfood und leider Kantinenessen von der schlechteren Sorte zur Verfügung steht?
Es beginnt der Prozess des Erkennens und mit dieser Erkenntnis auch das Erwachen.
Du willst eine vitalere Version von dir selbst werden? Dann heisst das: Raus aus der Komfortzone (oder auch Komm-fort-Zone). Welche Alternativen stehen dir fürs Mittagessen zur Verfügung? Vielleicht machst du mal einen Spaziergang und lässt dich von den Möglichkeiten zwei Strassen weiter überraschen.
Du willst neue Erfahrungen machen? Dann musst du anders an die Sache herangehen, um die Ecke denken und anders handeln als bisher …
Von Einsiedlerkrebsen und Menschen
„Willkommen in der Box“ heisst es in Kapitel 5 des Buches Miracle Morning für Millionäre. Das Erfolgsgeheimnis: Was die Reichen vor 8 Uhr tun*. Auch wenn dieses Buch sich stark mit deinen Glaubenssätzen zum Thema Geld befasst, finde ich den Vergleich, den die Box darstellt, für alle Konditionierungen hilfreich.
Die Autoren vergleichen die Box mit dem Zuhause eines Einsiedlerkrebses. Denn ein Einsiedlerkrebs hat keine eigene, harte Kruste. Er muss sich sein Zuhause immer wieder neu suchen, wenn er aus dem alten hinauswächst. Man hat jedoch beobachtet, dass nicht alle Einsiedlerkrebse gleich oft die Schale wechseln. Die Dauer, wie lange ein Krebs in seiner Schale bleibt, variiert. Manche bleiben länger in ihrem geborgten Zuhause als andere oder wechseln es so gut wie nie. Wieder andere ziehen im Laufe der Zeit immer wieder um. Manche hören irgendwann ganz auf, zu wachsen und verbringen den Rest ihrer Tage in der gleichen Schale.
Betrachtest du jetzt dein Umfeld, ist das bei Menschen gar nicht so anders. Statt Schalen haben wir Boxen: Einstellungen, Gewohnheiten und Überzeugungen, die jeder von uns sich zulegt und auch wieder ablegt, sobald er darüber hinausgewachsen ist.
Erinnere dich an deine Kindheit und deine Teenie-Zeit. Du bist nicht nur körperlich, sondern auch geistig jeden Tag gewachsen und hast damit sehr häufig die Box gewechselt. Doch sobald du erwachsen wirst, läufst du Gefahr, dass dieser Prozess nach und nach einschläft. Du machst immer mehr das immer Gleiche mit den immer gleichen Menschen. Dadurch denkst du auch immer gleich und dein Handeln wird immer eingefahrener. Die Box wird zum mentalen Einsiedlerkrebs-Panzer.
„Nein.“ ist ein vollständiger Satz
„Nein.“ ist ein vollständiger Satz. Punkt.
Doch ich möchte es mit einem Beispiel untermauern: Es ist Sonntagmittag. Die ganze Familie sitzt am Tisch und isst. Du bist 7 Jahre alt und längst satt. Du stocherst mehr oder weniger nur noch in deinem Teller herum. Deine Mama sagt noch: „Iss lieber auf, sonst gibt es morgen schlechtes Wetter!“ während dein Papa sich deinen Teller schnappt, zum Herd läuft und noch mal was Heisses obendrauf gibt. „Kalt würde mir das auch nicht schmecken. Iss lieber schnell, bevor es wieder kalt wird.“ Solche Sonntage gibt es häufig. Noch Jahre später, mit Mitte 40 hast du Mühe damit, einfach aufzuhören, wenn du satt bist, was man an deinen Rundungen sehr deutlich sehen kann.
Du hast nie gelernt, „Nein.“ zu sagen oder dein „Nein.“ wurde zu oft ignoriert, sodass du aufgegeben hast. „Nein.“ ist ein vollständiger Satz. Die ersten Male, in denen du diesen Satz aussprichst, wird dein Umfeld reagieren. Jedoch nur, weil es dich anders kennt. Du bist darauf konditioniert (daran gewöhnt), alles in dich hineinzuschaufeln. Die anderen sind darauf konditioniert (daran gewöhnt), dass du immer alles aufisst.
Vielleicht glaubst du auch, dass es Lebensmittelverschwendung wäre, den Teller nicht leerzuessen, weil dir gar nicht der Gedanke kommt, von vornherein deine Portionen zu überdenken. Kochst du zu viel zu? Würde das für zwei Mahlzeiten reichen? Probiere es mit weniger auf deinem Teller. Und weisst du, was so richtig gut ankommt, wenn du eingeladen bist und deine Portionen von Anfang an kleiner gestaltest: Jeder Gastgeber freut sich, wenn du nach einem Nachschlag fragst. Doch vergiss nie, es ist vollkommen okay „Nein, danke.“ zu sagen, wenn nichts mehr reinpasst. Und wenn du unterwegs bist, hab am besten immer eine Dose für Reste dabei.
Was drauf-konditioniert wurde, kann auch wieder runter-konditioniert werden – in 5 einfachen Schritten
Willst du andere Ergebnisse, musst du anders denken. Ja, richtig! Anders denken, nicht anders handeln. Denn zuerst kommt der Gedanke, dann die Tat auf Basis dieses Gedankens.
Erkenne deine Konditionierungen. Welche Gewohnheiten belagern dich? Isst du jeden Morgen Müsli, weil es einfach schon zu Schulzeiten jeden Morgen Müsli gab? Was würdest du eigentlich viel lieber essen? Willst du überhaupt frühstücken? Also um diese Uhrzeit? Hast du schon Hunger?
Nur weil du etwas schon immer so gemacht hast, heisst das nicht, dass du das auch für immer so weitermachen musst!
Hier ist etwas Wichtiges, das ich dir mitgeben möchte, weil es vieles in ein anderes Licht rückt: Es dauert ungefähr sieben Jahre, um ein Wesen auf zellulärer Ebene zu dekonditionieren. Sieben Jahre. Das klingt lang. Und gleichzeitig: Wie viele Jahrzehnte hat dich die Konditionierung bereits geformt? Sieben Jahre für ein neues Leben klingen da doch recht kurz, oder nicht?
Und wie fängst du konkret an? Durch Kontemplation. Das Erkennen ist der erste Schritt. Aber zwischen „Ich weiss jetzt, dass das eine Konditionierung ist" und „Ich lebe tatsächlich anders" liegt eine Brücke. Und diese Brücke heisst Kontemplation. Du kannst unglaublich viel über dein Human Design wissen und trotzdem ist es möglich, dass dieses Wissen deinen Körper noch nicht erreicht hat. Dein Kopf sammelt Inhalte wie ein Eichhörnchen, das den Winter überstehen muss. Du liest, hörst, verstehst und dennoch laufen im Alltag die alten Muster weiter. Das liegt daran, dass dein Nervensystem noch nicht mitgekommen ist. Es braucht Wiederholung, Ruhe und Beobachtung, um wirklich umzulernen.
Kontemplation bedeutet, bei einem Thema bewusst und wiederholt beobachtend dranzubleiben. Du nimmst dir ein einziges Thema aus deinem Chart, ein Zentrum, ein Tor oder z.B. deine Autorität, und verbringst Zeit damit. Du schaust dir dieses eine Thema von verschiedenen Seiten an, lässt es in dir wirken und beobachtest, was es auslöst. Du suchst dabei nicht nach Antworten. Du willst diesen Aspekt von dir wirklich kennenlernen.
Schritt für Schritt: So beginnst du mit deiner Dekonditionierung
Wähle ein einziges Thema aus deinem Chart
Nimm dir ein Zentrum, das offen ist, oder ein Tor, das dich fasziniert oder triggert. Vielleicht startest du mit dem offenen Zentrum, dessen Verzerrung du gerade am stärksten in dir erkennst.
Bleibe mehrere Tage bei genau diesem Thema
Spring nicht sofort weiter. Tiefe entsteht durch Wiederholung. Betrachte dein Thema wie eine neue Freundin, die du wirklich kennenlernen möchtest.
Beobachte deinen Körper
Achte darauf, was in deinem Bauch, Brustkorb, Hals oder mit deinem Atem passiert, wenn dieses Thema im Alltag auftaucht. Dein Chart heisst nicht ohne Grund auch „Körpergrafik“. Dein Körper erzählt dir ehrlicher, ob du ein Muster schon lebst oder bisher nur verstanden hast. Fragen, die dir dabei helfen können: Wo wird es eng, wenn ich an dieses Thema denke? Wo fühlt sich etwas weit oder ruhig an?
Notiere echte Beobachtungen
Ein Notizbuch hilft dir, dich zu erinnern. Schreibe auf, was du wirklich gespürt, gedacht oder erlebt hast. Keine Analysen, keine Bewertungen. Einfach das, was ist.
Übe ohne Lösungsdruck
Kontemplation ist Neugier. Du musst nichts „richtig machen“. Du musst nichts verstehen, lösen oder kontrollieren. Du bleibst schlicht dran und neugierig auf dich selbst.
Betrachte jede Beobachtung wie ein Mini-Training für dein Nervensystem. Veränderung passiert manchmal mit einem einzigen grossen Aha-Moment. Doch im Falle von Dekonditionierung braucht sie viele kleine Momente, in denen du präsent bleibst und alte Muster zwar bemerkst, ihnen aber nicht mehr automatisch folgst. Wie genau Kontemplation funktioniert und welche Rolle dein Energietyp dabei spielt, erkläre ich ausführlich in meinem Artikel Was ist Kontemplation?

Triff neue Entscheidungen! Kreiere neue Ideen und Gedanken und handle nach ihnen. Ja, das braucht ein bisschen Training. Immerhin hast du die letzten 30 oder 40 Jahre jeden Tag um 7 Uhr Müsli gegessen und jetzt ist es „nur“ ein Glas warmes Wasser. Frühstück gibt’s erst um 11 Uhr, weil du um 11 Uhr erst Hunger hast. Aber statt Müsli machst du dir einen Smoothie. Da braucht dein System eine Weile, um die neue Gewohnheit zu etablieren und die alte von Dannen zu schicken. Trau dich!
Häufig gestellte Fragen
Was ist Konditionierung im Human Design?
Konditionierung beschreibt im Human Design alle äusseren und inneren Einflüsse, die dazu führen, dass du nicht mehr du selbst bist, sondern nach einem fremden Muster denkst, fühlst und entscheidest. Sie entsteht durch offene Zentren, familiäre Prägungen, Genetik und gelernte Hilflosigkeit.
Was ist der Unterschied zwischen definierten und offenen Zentren?
Definierte Zentren sind deine feste, konsistente Energie. Offene Zentren nehmen die Energie anderer auf und verstärken sie, was zu Konditionierung führt, wenn man den Unterschied nicht kennt.
Wie lange dauert Dekonditionierung?
Nach Ra Uru Hu dauert es ungefähr sieben Jahre, ein Wesen auf zellulärer Ebene zu dekonditionieren. Bewusstsein kommt nicht über Nacht. Es ist ein Experiment, das Zeit braucht.
Was ist gelernte Hilflosigkeit?
Ein psychologisches Konzept von Martin Seligman: Wer wiederholt erlebt, dass sein Handeln nichts bewirkt, gibt irgendwann auf, auch in Situationen, wo er sehr wohl Einfluss hätte.
Dein nächster Schritt
Konditionierung zu verstehen ist der erste Schritt. Der nächste Schritt ist herauszufinden, wo in deinem Chart die grössten Konditionierungsfelder liegen. Welche Zentren sind offen, welche Themen erzeugen sie in dir und wie kannst du mit deiner eigenen Strategie und Autorität Entscheidungen treffen, die wirklich dir entsprechen? Dann hol dir deinen individuellen Human Design Report 👉🏻 HIER 👈🏻
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