Suche

Monatsrückblick Juli 2022: Ich steuere voller Vertrauen auf ein komplett neues Leben zu.

Aktualisiert: 13. Nov.



Als ich vor 16 Jahren ausgewandert bin, hab ich eigentlich nur das Land verlassen und alles andere irgendwie beim Alten sein lassen: Auto, Job, Montag bis Freitag, am Wochenende und im Urlaub entspannen und von einem Leben träumen, bei dem ich nicht weiss, welcher Wochentag heute ist, weil Arbeiten, Leben, Feiern, Lieben ineinanderfliessen. Diesen Monat wurde mir so richtig bewusst, wie all die Schräubchen, die ich vor so langer Zeit gelockert habe, sich neu justiert und ausgerichtet haben. Ich steuere voller Vertrauen auf ein komplett neues Leben zu. Ein Leben, das sich erst noch formt. Ein Leben, auf das ich reagieren darf.



Ich bin jetzt Yoga-Lehrerin


So richtig glauben kann ich das immer noch nicht. Was als fixe Idee auf meinem Visonboard vor gut 2.5 Jahren angefangen hat, ist jetzt Realität. Ich bin zertifizierte Yoga-Lehrerin.


Was hab ich gezittert und was hab ich geschwitzt. Ich dachte bis vor einem Jahr noch, das Yoga sowas wie Sport mit einer mentalen Komponente ist. Nie im Leben wär ich auf die Idee gekommen, dass gemäss Pantanjali diese Körperstellungen (Asanas) nur ein Bruchteil sind. Ich wollte Yoga für mich tiefer verstehen. Ich wollte Yoga für mich tiefer praktizieren, irgendwie auch richtiger praktizieren.


Lehre es, wenn du es richtig lernen willst. Michael Marie Jung

Die Prüfung fand über 2 Tage statt und bestand aus drei Teilen: Zuerst sollten wir eine Stunde Yoga vorbereiten, die wir in einen jeweils 20minütigen Anfangs-, Mittel- und Schlussteil unterteilen sollten. Eine Hälfte der Klasse war Schüler, die andere Hälfte Lehrer und die angehenden Lehrer durften sich via Los zu dritt eine Stunde teilen. Ich hatte mir so sehr gewünscht, nicht den mittleren Teil machen zu müssen - also den Teil, wo du wirklich und wahrhaftig eine Klasse anleitest - dass ich die Gesetze des Universums völlig ausser Acht gelassen habe. Das Universum versteht kein NEIN. Ich wollte (auf keinen Fall) Teil 2. Also habe ich Teil 2 bekommen und durfte mich in der für mich schwierigsten Disziplin beweisen.

Ein weitere Part der Prüfung war ein schriftlicher Test. Es war ein Multiple-Choise-Test und dauerte 60 kurze Minuten. Bei dem Thema Anatomie hatte ich einen kompletten Blackout und hab erst ganz zum Schluss diese Fragen mehr schlecht als Recht beantwortet. Doch die notwendige Punktzahl war wesentlich geringer als die, die ich an Antworten hatte 🥳

Vor dem dritten Teil der Prüfung hatte ich am wenigsten "Schiss". Jeder von uns sollte eine 10-minütige Rede vorbereiten, den sogenannten Dharma-Talk und von seiner Reise in Bezug auf Yoga erzählen. Ich war gleich als zweites dran. Ehrlich gesagt, weiss ich überhaupt nicht mehr, was ich erzählt habe, denn es war definitiv nicht das, was ich vorbereitet hatte. Ich wusste einfach instinktiv, dass ich tiefer gehen möchte, tiefer gehen darf. Es war ein ziemlich emotionaler Talk und nicht nur mir sind Tränen über die Wangen gekullert.



Das erste Mal und absolut freiwillig ohne Festanstellung


Ganz offiziell bin ich erst ab September "arbeitslos" im klassischen Sinne, doch aufgrund von Ferien, Treueprämie und Überzeit konnte ich 6 Wochen eher mit meiner Festanstellung aufhören und hatte am 19. Juli meinen letzten Arbeitstag im Corporate Umfeld - also dem klassischen Unternehmen als Angestellter, der die Ziele seines Arbeitgebers zu erreichen hat.


Schon ziemlich lange war mir klar, dass sich was ändern muss und das, was mir von klein auf eingetrichtert wurde, schlichtweg nicht zu mir passt. Erst mit der Yoga-Ausbildung wurde mir so richtig bewusst, dass ich nicht mehr warten kann. Ich hatte auch keine Ausreden mehr: seit Ende letzten Jahres hatte ich als Doppelbürger auch die Schweizer Staatsbürgerschaft und war nun nicht mehr auf meinen Wohnort oder auf meinen Arbeitgeber angewiesen, wie ich es während des gesamten Einbürgerungsverfahren war.


Als Generator gemäss Human Design darf ich auf das Leben antworten. Das bedeutet gleichzeitig, dass ich mir und meinem Umfeld etwas geben darf, auf das dieses wiederum Rückmeldungen aussendet, damit ich was zum reagieren habe... Heisst auf Deutsch: erst wenn ich es ausprobiere, weiss ich, ob es für mich passt. Tja, ich probiere dann mal.


Beim Abschieds-Apéro - ein ganz wundervoller Abend voller Wertschätzung meiner Arbeit und ganz vielen Glückwünschen für meine Zukunft. Es ist so schön zu hören, dass man es mir ansieht, dass ich mich auf meine Zukunft freue und vollstes Vertrauen darin habe.


Seit 16 Jahren ausgewandert


Am 26. Juli 2006 morgens um 7 Uhr bin ich losgefahren in mein neues Leben. Kaum sieben Monate vorher war der Gedanke geboren, dass sich etwas Grundlegendes in meinem Leben ändern muss, dass ich aus dem, was ich kenne, schlichtweg ausbrechen muss. Es war mir ziemlich egal, wohin es geht - Hauptsache raus aus Dresden, raus aus Deutschland. Es wurde die Schweiz. Zuerst Winterthur und seit mehr als 13 Jahren ist es Ipsach am Bielersee.


Ich kann mich noch sehr gut an den Vorabend vor meiner Abfahrt nach Winterthur erinnern. Ich sass mit meiner Mama im Wohnzimmer meiner leeren Wohnung in Dresden und wir heulten und lachten und heulten wieder und wieder. Der Abschied fiel mir schwer. Doch bleiben wollte ich auch nicht.


Dieses Jahr war es irgendwie ziemlich besonders. Meine Mama ist sonst immer diejenige, die sich alle Daten und Geburtstage merkt und jeden von uns daran erinnert. Es war fast Zufall, dass wir genau am 26. Juli wieder videofoniert haben und sie ist fast vom Stuhl gefallen, als ich ihr sagte, dass es mittlerweile 16 Jahre her ist, dass ich weg bin. Wo ist die Zeit bloss hin ...


meine Mama macht immer Screenshots von unseren Telefonaten


Was im Monat Juli 2022 sonst noch los war


  • Krankenhaus statt Spanien - meinen Ausstand am 19. Juli wollte ich mit einem verlängerten Mädels-Wochenende in Spanien feiern und eigentlich am Tag nach meinem Ausstand für ein paar Tage raus. Doch wie es manchmal so ist, hat das Leben manchmal andere Pläne. Aufgrund eines mittlerweile diagnostizierten gutartigen Lagerungsschwindel bei meinem Lieblingsmenschen hab ich meinen Spanien-Kurzurlaub um 3 Wochen nach hinten geschoben.

Frau mit Maske bei Patient im Krankenhaus
Der Samstag verlief definitiv anders als geplant. Fast 9 Stunden waren wir auf der Notfallstation ohne, dass jemand genau sagen konnte, was mein Liebster hat. Sie haben ihn dabehalten für weitere Tests und mittlerweile geht es ihm wieder richtig gut.


  • Kater-Sitten ohne Kater - während 3 Wochen durften wir den Kater unseres Nachbarn betreuen. Zweimal täglich Futter geben, Frischwasser auffüllen und Streichel-Einheiten verteilen. Auf das Katerschmusen hab ich mich am meisten gefreut. Doch in Woche 1 gab es keine Spur vom Kater. Ich hab ihn nie zu Gesicht bekommen und auch das Futter blieb teilweise unangetastet. In Woche 2 hat er sich dann viel öfter sehen lassen und in Woche 3 war er voll der Schmusetiger.

Katze am Fressnapf
irgendwann musste ich mal ein Beweisfoto machen, dass ich tatsächlich für ein Tier verantwortlich war.

  • Clueso live direkt vor der Haustür - okay, ich gebe es zu! ich bin Fan! von der ersten Stunde an! seit ich ihn als Vorband bei den Fantastischen Vier in Dresden vor mittlerweile 20 Jahren das erste Mal performen sehen durfte. Die Musik, die Texte, der Typ - alles spricht mich an. So viel Ehrlichkeit, so viel Weisheit, so viel Leichtigkeit und so viel Sch***drauf, was der Rest von mir will. Kennst du noch MySpace? Dort konnte man bei seinem Profil auch seinen Lieblingssong hinterlegen. Bei mir war es "Winter Sommer" von Clueso. Und zur Zeit begleiten mich "Neuanfang" und "Aus dem Weg" von ihm. Er ist immer wieder Vorbild für mich, dass es wichtig und richtig ist, den eigenen Weg zu gehen. Logisch, dass ich zum Live-Konzert gehe, wenn er keine 2km von mir entfernt spielt.

Clueso Live - quasi direkt vor der Haustür


Was ich im Monat Juli 2022 gebloggt habe




Ausblick auf den Monat August 2022


  • Ferien, Ferien, Ferien... zuerst hole ich Spanien nach und dann ist Camping ist angesagt.

  • Das Projekt "Podcast" startet mit der Aufnahme der ersten Folgen. Ich hab Annalena, meine Podcast-Mitstreiterin noch nie Live gesehen - wir kennen uns nur online.

  • Mein 1:1 Format findet zum ersten Mal offline statt - mal schauen, wie ich meine Zettelwirtschaft organisiert bekomme, online sieht das ja keiner.

58 Ansichten6 Kommentare